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Ordnung, Gäste und Ordnung

Monday, March 29th, 2010

Back in Berlin, and traditionally I bring a small present of dignity with me:

Ich liebe Ordnung. Ja, ich liebe Ordnung sehr. Im Alltag habe ich leider nicht genug Zeit für Ordnung. Ich nehme es mir immer vor, aber dann ganz plötzlich kommt etwas dazwischen. Da gibt es einen Film, der ganz dringend noch gesehen werden will. Oder ein toller Gast schlägt einem fast vor als Gast vorbeizukommen und plötzlich rutscht mir viel zu schnell und viel zu leicht das Wort: Ja, über meine Lippen. Dabei hatte ich mir Ordnung so dringend vorgenommen, natürlich, um mir etwas Gutes zu tun. Schließlich liebe ich Ordnung.

Um mein Leben und meine Arbeit zu optimieren habe ich mir überlegt, ich könnte viel Zeit einsparen und meine Ordnung ganz aufgeben. So würde ich zum Beispiel alle frische Wäsche einfach auf den Boden werfen bis ich sie anziehe, dann spare ich jeden Tag durchschnittlich mehrere Sekunden, ganz zu schweigen vom Platz für den Kleiderschrank. Nach vielen Jahren ist das viel viel Zeit (e.g. for love making); und rechnet man auch die Quadratmeter für den Schrank, die ich jeden Tag spare dazu, dann gewinne ich nicht nur Quadratkilometer mehr Platz für mein Leben sondern auch viele Tage Zeit fürs Leben.

Nachteilig ist natürlich der Gast, der dann auf meinen Unterhosen steht, ganz zu schweigen von der Schwierigkeit, die saubere von der schmutzigen Wäsche zu unterscheiden. Denn die schmutzige Wäsche liegt bei mir ohnehin – Gast hin oder her – vor meinem Kleiderschrank. Und damit Gast das nicht sieht, ist der Schrank begehbar und ein Vorhang davor.

Leider sehe ich, zumindest ich meine Unordnung, und das ist nicht gut, denn ich mag Ordnung, wie ich dies vielleicht bereits an anderer Stelle erwähnte. Das Problem mit der Ordnung ist, nun ja: das Leben. Dort wo meine Ordnung ist, ist alles wunderbar und dann kommt das Leben und lässt alles überall da liegen wo es gebraucht wurde oder wieder gebraucht würde oder auch nur sinnvoll aufgehoben ist. Meine addierte Lebenserfahrung gipfelt leider in der wenig beeindruckenden Erkenntnis: Dort wo Leben ist, ist keine Ordnung, und dort wo die Dinge sinnvoll aufgehoben und gelagert sind, ist Ordnung zwar vorhanden, aber nicht sichtbar.

Also habe ich einen Kompromiss geschlossen. Beim Umräumen meines Ateliers – der Anlass war nicht nur ein Gast (invading: the female nation) sondern auch eine Lust an der Ordnung – habe ich einen geheimen Plan gefasst und tatkräftig verwirklicht. Ich habe eine ganze Schublade, in der sehr sinnvoll eingelagerte Dinge einen äußerst unordentlichen Eindruck gemacht haben, ausgeräumt. Die Dinge musste ich natürlich irgendwohin schaffen und so habe ich ihn – den Inhalt – einfach willkürlich in andere Schubladen gestopft, nach dem Motto: Nur nicht ablenken lassen vom eigentlichen Ziel; der Ordnung.

Die leere Schublade habe ich natürlich nur mit äußerst kultivierten Gegenständen gefüllt. Das Bewerbungs- und Auswahlverfahren war sehr streng. Es wurden nur Gegenstände und Dinge zugelassen, die besonders ordentlich aussehen und vor allem zusammen sehr ordentlich aussehen. Das war zwar nicht sehr sinnvoll, und ich habe auch nicht vor, die Schublade wirklich für etwas anderes zu benutzen als Ordnung, aber das ist in Ordnung so.

Wenn jetzt Gäste (invade the other nation) kommen, dann muss ich nur noch schnell durch die Wohnung laufen und die Unordnung hinter meinen Vorhang werfen. Wenn es dann erwartungsgemäß immer noch unordentlich sein sollte, oder ich einfach mal so das Bedürfnis nach Ordnung haben sollte, dann öffne ich meine Schublade voller Ordnung. Das freut mich sehr. Ich stehe dann oft stundenlang vor der Schublade und freue mich unheimlich über meine Ordnung. Und in der Schublade passiert ihr auch nichts, also geht sie nie kaputt. Und wenn Gäste kommen, vor allem weibliche Gäste, die ich unglaublich beeindrucken will, dann zeige ich ihnen meine Ordnung in der geheimen Schublade. Und das beeindruckt sie sehr. Gemeinsam können wir dann vor meiner Ordnung stehen und uns glücklich anlächeln.

Das macht mich natürlich auch als Partner total interessant, weil die Mädchen dann wissen: „Mensch das ist ein toller Mann, der hat immer Ordnung! Und das tollste ist, die geht nie kaputt, weil sie so praktisch in der Schublade ist.“ Kann ich übrigens sehr empfehlen. Mein ordentliches Date danach war auch prompt ein Erfolg, was größtenteils der Ordnung zu verdanken war.

Kurz: Die Schubladenordnung ist der letzte Schrei der Bürgerlichkeit und der Erfolg – so als Versorger / oder Hausfrau – bei den Frauen / Männern ist überaus garantiert; Garantie!


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