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Berlin, Ethik oder Religionsunterricht

Monday, April 13th, 2009

Berlin ist tolerant, Berlin ist kulturell vielseitig. Vor über 50 Jahren wurde der Ethikunterricht eingeführt, sehr früh. Jetzt aber wurde eine neue Debatte losgetreten. Ethik versus Religion. Eine Entscheidung steht an.

Pro Reli

Ein Argument der Pro Reli Lobbyisten (Kirchen Katholiken, Islamisten, etc.) ist Toleranz. Man müsse frei wählen können ob verpflichtenden Religionsunterricht oder Ethikunterricht. Wenn jemand also Ethik wählt ist der Religionsunterricht auf freiwilliger Basis als zusätzliches Unterrichtspensum. Anders herum kann jemand der den Religionsunterricht seiner Wahl wählt zum Beispiel Evangelisch, Katholisch oder den Koran mit der Situation konfrontiert, dass er zusätzlichen und freiwilligen Unterricht in Ethik oder einer anderen Religion nehmen kann, aber nicht muss. Welcher Schüler wird sich freiwillig über andere Religionen informieren oder in den Ethik unterricht gehen.

Kontrovers, das Toleranzargument der ProReli ist eine glatte Lüge

Überlässt man den Kirchen, die Träger des Religionsunterrichts sind, die Bildungsfreiheit, dann werden sie das unterrichten was sie wollen. In der Vergangenheit haben die Religionen das gelehrt was sie wollen, die Folge waren Religionskriege und Inquisition. Es daher offensichtlich, dass die Kirchen nicht mit umfangreicher, hinterfragenden, bzw vergleichenden Bildungsangeboten eine Basis für ein solides Grundwissen in Fragen der Ethik und Religion sorgen werden. Ohne Grundwissen keine Toleranz, das Fremde ist fremd und wird abgelehnt - siehe das sozial-psychologische Phänomen des Fremdenhass.

(ALT: Hier werden Fanatiker von Morgen ausgebildet,) (NEU:) Sollten Schüler bereits durch ihre Eltern und ihr Umfeld zu Fanatikern erzogen worden sein, so erfahren sie im eigenen Religionsunterricht eher noch eine Bestätigung für ihre extreme Ansichten, als in einem pluralistischen Ethik-Unterricht. Tendenziell bleiben die Menschen eher Fanatiker, die aus eigener Sicht nur die eigene Religion kennen, nur die “Anderen” haben andere Religionen. Die Motivation eines Schülers freiwillig zusätzlich Ethik zu belegen ist eher unwahrscheinlich.

Toleranz ist das Pro Ethik Argument

Wer also Toleranz will, der muss für Ethik stimmen. Hier werden den Schülern, Philosophie, unterschiedliche Religionen und Glaubensansätze vermittelt. Der Schüler wird als mündige Person angesehen, die selbst entscheiden kann, woran sie glaubt. Die Bildung hingegen ist vielseitig und nicht dogmatisch, wie man dies den monotheistischen Religionen wie dem Christentum und Islamismus vorwerfen muss.

Jeder kann seinen Glauben behalten, jeder darf glauben was er will, kann in Koranschulen gehen, kann in die Kirche zum beten gehen und um Messen zu hören, die Verantwortung für die kulturelle Bildung in Fragen der Ethik und Religion verbleibt aber beim Staat. Dieser bildet sich einem demokratischen Prozess nach aus den Wählerstimmen des Volkes. Gemeinsame Werte eines Staates werden für alle vermittelt. Einerseits über verbindliche Gesetzte, andererseits über weniger verbindliche Wertesysteme des Glaubens, der Philosophie und zwar im Unterricht, wo ein moderierter Diskurs stattfinden kann.

Wir haben keine Staatsreligion mehr, dass kann auch ein Problem darstellen

Seit der Säkularisierung sind Religion und Staat getrennt. Seitdem wird jede Religion toleriert, seitdem sind Staat (Bildungshoheit) und Religion getrennt. Früher wurde Kultur sehr stark über die Kirchen gelehrt und vermittelt. Heute ist das Anders. Die Menschen können lesen, sie lesen Zeitung, verfolgenden öffentlichen Diskurs im Fernsehen, auch wenn sie nicht lesen können. Alle müssen in die Schule gehen. Ergänzend finden sich in der pluralistischen humanistischen Gesellschaft Kirchen, religiöse Einrichtungen und Splittergruppen. Das ist durchweg positiv zu bewerten. Wir tolerieren diese, sie tragen zum Kulturgut bei, aber sie tragen das Kulturgut nicht mehr alleine.

Entsprechend ist der verbindliche Ethikunterricht, gerade in Berlin, das Mittel der Wahl, um den Kindern von fanatischen Familien zu zeigen, dass es auch andere Weltanschauungen als die ihren gibt. Das fördert Toleranz, nicht der Religionsunterricht von einem Pfarrer oder Islamprister.

Versteckte Diskrimierung durch Religion

In meinem Blogeintrag von gestern zeige ich auf, wie die Christen mit ihren Feiertagen alle Nicht-Christen in Deutschland diskreminieren: Die Christen und Ihre Feiertage, Intoleranz per se

Und so verbleibe ich mit den Worten: “Pro Ethik aber nicht gegen Religionen, diese aber sind Freizeitvergnügen, ebenso wie Astrologie und alle anderen Nicht-Wissenschaften. Gemeinsame Werte für ein Volk.” (Burgy Zapp 13.April 2009)

Die Christen und Ihre Feiertage, Intoleranz per se

Sunday, April 12th, 2009

Jede Glaubensgemeinschaft pflegt ihre eigenen Feiertage, Rituale und Ruhetage, an denen ihre Mitglieder den alltäglichen Sorgen entflieht. Das ist sinnvoll und der menschlichen Psyche angemessen. Dem ist auch nichts negatives abzugewinnen. Aber …

Ein Volk, eine Religion

Als der Nationalstaat noch eine größere Rolle gespielt hat, das Reisen zu teuer war und der kulturelle Austausch nur in der Oberschicht stattgefunden hat, war es sinnvoll, die jeweiligen Feiertage für alle Verbindlich zu machen. Ein Vok, eine Religion, dann lässt es sich auch leichter beherrschen.

Die Neuzeit, Demokratisierung, Sekularisierung und die Freiheit zu glauben

Wir sind keine homogene Glaubensgemeinschaft mehr. Der kulturelle Austausch und die Aus- und Einwanderung hat eine Gesellschaft entstehen lassen, in der verschiedene Glaubensgemeinschaften nebeneinander her leben. Das ist durchaus positiv, es erweitert den Horrizont, bringt aber auch schwierigkeiten mit sich. So sind die gesetztlichen Landensöffnungszeiten so geregelt, dass beispielsweise und gerade im intolleranten Bayern, alle Geschäfte an Feiertagen geschlossen sein müssen, so auch an Sonntagen. Dies schränkt die Freiheit all jener ein, die nicht dieser Glaubensgemeinschaft - den Christen - angehören. Die Majorität diskrimiert hier die Minorität und schränkt ihre Freiheit ein.

Sekularisierung konsequent

Ein konsequentes Tolleranzprinzip währe es zu sagen, Gesetzlich stehen X - also zum Beispiel 20 - Feiertage zur Verfügung. Diese kann sich jeder frei aussuchen, seiner glaubensgemeinschaft oder atheistischen Vorstellungen entsprechend. Natürlich müsst dies dem Arbeitgeber entsprechend rechtzeitig mitgeteilt werden. Denn es handelt sich um nichts anderes, als um staatliche Feiertage, die Glaubensgemeinschaften mit ihren Inhalten füllen und entsprechend im Kalender platzieren können.

Kulturgut ist in Europa Christlich, keine Frage, Kulturgut und Glaube unterscheiden sich jedoch

Die europäische Kultur ist durchsetzt von christlichen Werten und normen. Über Jahrtausende hinweg war die christliche Kirche, der wohl wichtigste Mäzen der Bildung, hat Kulturgut kultiviert, überliefert und gelehrt. Sie hat deswegen keinen Orden verdient, nachdem sie dies lediglich und hauptsächlich für sich selbst getan hat und hierbei auch sehr dogmatisch teilweise tyrannisch vorgegangen ist. Dennoch hat dieser Verdienst zu einem christlichen Kulturgut in Europa geführt. Erst später hat die Aufklärung und der Humanismus eine stille Revolution begonnen. Feiertage haben zwar etwas mit dem Kulturgut - Bräuche und Riten - zu tun, nichts aber mit Menschen, die einen anderen Glauben haben und für die jene Feiertage bedeutungslos sind. Eine Qualität von Kulturgut ist die Toleranz gegenüber Minoritäten

Mal so privat

Es ist sehr anstrengend festzustellen: Es ist Ostern, ich kann kein Frühstück, keine Milch, einfach gar nichts kaufen. Die Christen haben das alles bereits gestern oder vorgestern gemacht. Ich habe jetzt hunger, mein Magen ist nicht christlich und ich arbeite auch an Ostern, dann will ich auch an Ostern einkaufen und essen dürfen. Gerne nehme auch ich Rücksicht auf den Glauben anderer Menschen, selbiges erwarte ich auch von dominanten Glaubensgemeinschaften, die eine Majorität darstellen.

Hierzu auch der nächste Blogeintrag: Berlin, Ethik oder Religionsunterricht

Allen, die Christen sind, wünsche ich ein schönes Ostern und freue mich mit euch, dass euer Gott an Ostern von den Toten aufersteht, eine sehr schöne und trost spendende Metapher.

siehe hierzu auch den Blogeintrag von morgen:

Berlin, Ethik oder Religionsunterricht


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