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Jamie Salmon – Verstörende Realität

Realität ist eine Illusion. Allerdings eine sehr hartnäckige.“ Albert Einstein

Getreu dieser Aussage hat sich Jamie Salmon der Schaffung hyperrealistischer Skulpturen gewidmet. Er ist ein Meister seiner Zunft.

Hyperrealistische Kunst

Die superrealistische, bzw. hyperrealistische Kunst ist Mitte der 1960er Jahre entstanden, mit der amerikanischen Pop-Art verwandt und umfasst nicht nur Skulpturen, sondern spielt genauso in der Fotografie, Malerei und im Film eine Rolle. Der Hyperrealismus ist als Weiterentwicklung zum Realismus zu betrachten. Beim Realismus geht es um eine möglichst genaue Nachbildung der Realität. Der Hyperrealismus geht allerdings darüber hinaus: Er will schärfere Details liefern, als die Realität es tut. Abstraktion hat in diesen Werken keinen Platz, dennoch sind Hyperrealismus und Abstrakte Kunst als Gegenbewegung zur modernen Kunst vereint. Auch vom Fotorealismus ist der Hyperrealismus abzugrenzen. Denn während sich der Künstler des Fotorealismus darum bemüht, “das Schöne” möglichst realitätsgetreu und brillant wiederzugeben, kann ein hyperrealistisches Werk auch das Gegenteil bewirken.

Einerseits gehört zum Hyperrealismus die Darstellung negativer Emotionen und Eigenschaften, wie zum Beispiel die Narben und Verletzungen eines Menschen. Andereseits wirkt die Skulptur eines Menschen, bei der man jede Pore und jedes Barthaar erkennen kann, vielmehr verstörend und bizarr auf seine Betrachter. Das wird auch in den Werken von Jamie Salmon mehr als deutlich. Dennoch sind die Übergänge zwischen Fotorealismus und Hyperrealismus fließend. Künstler des einen Stils werden oft auch dem anderen Stil zugeordnet. Letztendlich lassen sich die Stilrichtungen immer nur am Kunstwerk selbst abgrenzen, selten am Künstler.

Der Hyperrealismus spielte auch in der Leipziger Schule der DDR neben anderen Stilrichtungen eine wichtige Rolle, denn diese Werke machten die Leipziger Malerei plötzlich für den westlichen Kunstmarkt interessant. Nach dem Mauerfall haben hyperrelistische Stilelemente dann Einzug in die Neue Leipziger Schule gehalten. Zu den bekanntesten internationalen Küntlern des hyperrealistischen Stils gehören Chuck Close und Richard Estes. Ersterer wurde 2010 von US-Präsident Barack Obama in das “President’s Committee on the Arts and the Humanities” aufgenommen.

Immer wieder steht der Hyperrealismus aber auch in der Kritik zu wenig Raum für Interpretation zu lassen, doch das ist Ansichtssache. Jamie Salmons Werke greifen diesen Zielkonflikt geschickt auf und verstehen es mit ihm zu spielen.

Jamie Salmon ein Meister seiner Zunft

Jamie Salmon ist in Großbritannien geboren, lebt und arbeitet allerdings im kanadischen Vancouver. Seine künstlerische Karriere begann in der Filmindustrie, wo er zunächst kommerzielle Arbeiten für Filmsets erstellte. Inzwischen ist er allerdings als freier Künstler tätig und hat sich auf die Erschaffung hyperrealistischer Skulpturen spezialisiert. Silikon, Gummi, Granulat, Echthaar und Acrylfarben modelliert er in wochen- oder gar monatelanger Kleinarbeit zu einer Skulptur mit größerer Detailtiefe, als die Realität sie bietet. Jede Pore, jedes Haar, jede Falte, jede Narbe ist an seinen Skulpturen zu erkennen. Jamie Salmon ist mit seiner Arbeit aber nicht allein auf weiter Flur. Jackie K. Seo hat eine ähnliche Karriere verfolgt wie Salmon, hat zunächst in der Filmindustrie begonnen und konzentriert sich nun ebenfalls auf die Erschaffung hyperrealistischer Figuren. Beide Künstler teilen sich das Studio „Avatar – Sculpture Works“ und sind auch gemeinsam in Ausstellungen auf der ganzen Welt präsent. Ein beindruckendes Video, dass den unglaublichen Arbeitsprozess zur Erweckung einer Skulptur verdeutlicht ist „The Making of Sumo by Jamie Salmon“ (Mehr Making of Sculpture Videos bei YouTube):

Die Detailtreue der Arbeiten Salmons fasziniert jeden Betrachter, denn sie geht so weit, dass die Geschichte der Portraitierten (denn letztendlich sind diese Skulpturen nichts anderes, als ein Portrait) durch die Details erzählt wird. Raue Hände lassen möglicherweise auf einen harten Job schließen, die Bräune erzählt etwas über die Wetterverhältnisse, in denen sich dieser Mensch aufgehalten hat und der Bart und Haare lassen noch einmal andere Rückschlüsse zu. Jeder Betrachter liest in den Skulpturen Salmons und Seos andere Geschichten. Faszination ist aber nicht das einzige, was ein Besuch einer solchen Ausstellungen hinterlässt. Die Skulpturen wirken bizarr und verstörend, was insbesondere dem Spiel mit den Größen geschuldet ist. Denn bei allem Realismus: Was die Größe der Skulpturen angeht, umgeht Salmon die Realität bewusst. Zwar sind die Größenverhältnisse zwischen den unterschiedlichen Körperteilen immer exakt und realitätsgetreu, aber die Körpergröße einiger Skulpturen widerspricht dem, was wir “menschlich” nennen würden. Und so erschafft Salmon mit seinen Skulpturen nicht nur Menschen, sondern auch Riesen und Zwerge. Insbesondere die übergroßen Skulpturen verstören ihre Betrachter, denn die Details werden allein durch die Größe noch deutlicher. Und genau dieser Effekt ist es, der dafür sorgt, dass die Details “schärfer als in der Realität” erscheinen.

Einen anderen Weg schlägt Salmon bei seinen Bronzeskulpturen ein. “Face to Face” nennt sich die Skulptur seiner selbst, die einerseits mit der Genauigkeit eines hyperrealistischen Werkes daherkommt, andererseits aber in höchstem Maße brüchig wirkt. Gesicht und Oberkörper sind nicht vollständig, sondern mit Aussparungen versehen. Es wirkt als hätte man der Skulptur einige Fetzen entrissen, die nun fehlen. Was sagt es über das das Innere des Künstlers aus, wenn dieser sonst so detailversessene Mensch sich selbst als brüchiges Wesen portraitiert? Die Antwort darauf kennt wohl nur Jamie Salmon selbst.

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